Asbest in Altgeräten: Wie ein Diaprojektor zum Schadstoffrisiko wurde


6. Januar 2026

Wenn private Erinnerungen und Gebäudeschadstoffe unerwartet zusammentreffen

Ein nostalgischer Moment mit unerwarteter Wendung

Kurz vor Weihnachten stand bei uns ein ganz klassisches Familienvorhaben an: Wir wollten alte Dias ansehen. Diese lagen seit Jahrzehnten gut verstaut im Schrank, Momentaufnahmen aus einer Zeit, als Fotografieren noch analog war und Erinnerungen nicht in der Cloud, sondern in kleinen Kunststoffrahmen aufbewahrt wurden.


Was allerdings fehlte, war ein Diaprojektor. Ein Blick in den Handel zeigte schnell, dass Diaprojektoren heute faktisch keine Rolle mehr spielen. Neugeräte werden kaum noch angeboten. Also entschied ich mich für den Gebrauchtmarkt.


Fündig wurde ich im Internet. Das angebotene Gerät war ein Revue 151 AF, äußerlich in einem nahezu neuwertigen Zustand, vollständig und augenscheinlich technisch einwandfrei.

Berufliche Recherchen und ein schockierender Fund

Parallel dazu beschäftigte ich mich aus beruflichen Gründen intensiv mit einem ganz anderen Thema: Im Rahmen eines Mandats recherchierte ich zu Schadstoffen im Baubestand, konkret zu Asbest in Elektrokabeln.



Bei der Lektüre eines neu angeschafften Fachbuchs und begleitender Recherche stieß ich eher zufällig auf einen Hinweis, der meine private Anschaffung plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen ließ: In Diaprojektoren der 1970er- und 1980er-Jahre kann Asbest verbaut sein.

Asbest in Diaprojektoren: Stand der Informationen

Eine vertiefende Recherche in Fachartikeln, technischen Unterlagen und Erfahrungsberichten ergab, dass der Einsatz von Asbest in älteren Diaprojektoren kein Mythos ist. Betroffen sind vor allem Modelle aus den 1970er- und frühen 1980er-Jahren, also genau jener Zeitraum, in dem Asbest in vielen technischen Anwendungen als nahezu unverzichtbarer Werkstoff galt. Auch das Modell Revue 151 AF fällt zeitlich in diese Phase.


Konkrete Herstellerunterlagen, die den Asbesteinsatz eindeutig bestätigen oder ausschließen, sind heute nur noch schwer erhältlich. Eine Anfrage an die Firma Orwo blieb bis heute unbeantwortet. In der einschlägigen Literatur und in Sammler- und Reparaturforen wird jedoch übereinstimmend berichtet, dass bestimmte Projektoren dieser Generation asbesthaltige Bauteile enthalten können.


Solche Funde unterstreichen, wie häufig schadstoffe in Bestandsgebäuden oder Geräten aus dieser Zeit vorkommen und wie dringend der Blick auf baubiologische Aspekte auch bei Alltagsgegenständen notwendig ist.

Die vermeintliche technische Notwendigkeit

Aus heutiger Sicht wirkt der Einsatz von Asbest in einem Diaprojektor zunächst irritierend. Betrachtet man jedoch die damaligen technischen Rahmenbedingungen, erscheint er nachvollziehbar.


Diaprojektoren arbeiteten mit sehr leistungsstarken Halogenlampen, die erhebliche Wärme entwickelten. Gleichzeitig mussten empfindliche Bauteile geschützt und ein möglichst kompaktes Gehäuse realisiert werden.


Asbest bot hierfür mehrere entscheidende Vorteile: Er war hitzebeständig, schwer entflammbar, elektrisch isolierend und gleichzeitig kostengünstig. Typische Einsatzbereiche waren Hitzeschutzplatten, Isoliermatten oder Abschirmungen im Bereich der Lampe und des Lampenhauses.


In einer Zeit, in der die Gesundheitsgefahren von Asbest entweder verharmlost oder noch nicht umfassend erkannt waren, galt dieser Werkstoff leider als technisch nahezu ideal, in Gebäuden ebenso wie in technischen Geräten.

Zur Frage der Gesundheitsgefährdung

Die entscheidende Frage für mich lautete jedoch nicht, ob Asbest in dem Projektor verbaut sein kann oder nicht, sondern ob ich nach dieser Erkenntnis noch Lust auf das Dia-Event hatte.


Grundsätzlich gilt: Asbest ist dann hochgefährlich, wenn Fasern freigesetzt und eingeatmet werden können. In einem technisch intakten Diaprojektor, in dem asbesthaltige Bauteile fest gebunden, gekapselt und unbeschädigt sind, ist eine Faserfreisetzung eher unwahrscheinlich. Das bestätigte mir auch ein gut bekannter Baubiologe.


Der reine Besitz oder Betrieb eines solchen Gerätes stellt daher nicht automatisch eine akute Gesundheitsgefahr dar. Problematisch kann es selbstverständlich dann werden, wenn das Gerät geöffnet, unsachgemäß repariert oder Bauteile mechanisch beschädigt werden.


Auch Alterungsprozesse, starke Erschütterungen oder ähnliches können dazu führen, dass sich ursprünglich gebundene Asbestmaterialien lösen. In solchen Fällen besteht zumindest ein theoretisches Risiko der Faserfreisetzung.


Einmal mehr zeigt sich hier, wie wichtig sachkundige Beratung und ein bewusster Umgang mit schadstoffhaltigen Altgeräten ist, insbesondere für Eigentümer von Bestandsgebäuden, in denen ähnliche Materialien verbaut sein könnten.

Mein persönliches Fazit

Für mich war diese Erkenntnis ein eindrückliches Beispiel dafür, wie eng sich private Alltagsgegenstände und das Thema Gebäudeschadstoffe miteinander verweben können. Was als nostalgische Familienaktivität begann, führte unvermittelt zu einer klassischen schadstoffrechtlichen Fragestellung.


Der Revue 151 AF steht dabei sinnbildlich für eine ganze Generation technischer Geräte: funktional, langlebig und zugleich ein Produkt einer Zeit, in der Asbest als Problemlöser galt.


Die Auseinandersetzung damit schärft nicht nur den Blick für historische Technik, sondern auch für den verantwortungsvollen Umgang mit potenziell schadstoffbelasteten Altgeräten. Als Rechtsanwalt mit Schwerpunkt auf schadstoffe in Bestandsgebäuden und als ausgebildeter Baubiologe kann ich nur empfehlen: Prüfen Sie bei alten Geräten und Bauprodukten genau, ob Gefahrstoffe wie Asbest, Formaldehyd oder PCB eine Rolle spielen.


Ich persönlich habe mich dazu entschlossen, das Gerät fachgerecht zu entsorgen und die Dias zu digitalisieren, auch das ist ein sinnvoller Weg, Erinnerungen zu bewahren, ohne sich unnötigen Risiken auszusetzen.

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